Modul Trauma und Verhaltenstherapie

Mit dem Trauma wird gelernt, das „Leben zu vermeiden“.

Die verhaltenstherapeutischen Konzepte fußen auf den Modellen der Lern- und Kognitionstheorie sowie den Theorien der Affektregulation: die Verhaltenstherapie erläutert, wie ein Trauma erlernt und vor allem aufrecht erhalten wird.

Mit einer traumatischen Erfahrung entstehen traumatische Trigger: bestimmte Reize werden mit maximaler Angst und Erregung verknüpft. Diese körpernahe Verknüpfung bleibt posttraumatisch erhalten, wobei die auslösenden Reize schnell generalisieren, da die traumatischen Merkmale unspezifisch, d.h. etwa ohne Worte gespeichert und unwillkürlich erinnert werden. Die posttraumatischen Belastungen können so durch eine Vielzahl von Reizen ausgelöst werden.

Zugleich werden im Trauma die umfassenden Grundannahmen erschüttert, die das Selbst und die Welt, also alle Lebensbereiche betreffen. M. Horowitz spricht von einer negativen Kaskade: die Angst vor traumatischen Erinnerungen steigert das Vermeidungsverhalten und verhindert, dass das Trauma bewältigt wird – posttraumatisch wird zunehmend „das ganze Leben“ vermieden.

Therapeutisch kommt es darauf an, negative Kreisläufe des Lernens und ausgeprägtes Vermeidungsverhalten aufzudecken bzw. zu korrigieren, um zu verhindern, dass traumatische Erinnerungen sich stabilisieren, verbunden mit einer kognitiv-emotionalen Grundhaltung, dass die Welt keine Heimat mehr sein kann.

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Verhaltenstherapie als Narrative Expositionstherapie

Ziel der Narrative Expositionstherapie ist es, die traumatische Erfahrung ins Wort zu bringen: die Erinnerung soll erzählbar und explizit abrufbar werden. Durch die bewusste Erinnerung soll die Möglichkeit unterbunden werden, dass sich beliebige Trigger mit der Traumaerinnerung verbinden und diffus flashbacks bzw. andere Traumasymptome auslösen. Indem der/die Traumatisierte das traumatische Geschehen selber erzählt, behält der/die Traumatisierte während dieser erzählenden Konfrontation die Kontrolle – so die therapeutische Intention.

Durch das aufmerksame Zuhören, ergänzt evtl. durch kurze körperliche Reaktionen (Kopfnicken, Bewegung der Augenbrauen etc.) oder durch Nachfragen usw. wird therapeutisch die sichere Beziehung bzw. die sichere Gegenwart betont und unterstrichen, dass das vergangene Trauma besprochen und bewältigt werden kann. Um  den flashbacks und Intrusionen nicht mehr nur passiv ausgeliefert zu sein, wird verhaltenstherapeutisch eine Technik eingeübt, sich von der Bedrohlichkeit der Intrusionen zu distanzieren: dabei wird die Vorstellung auf das Ende des flashbacks gelenkt mit der Idee, die flashs (noch) zu akzeptieren, statt sich ihrer zu erwehren: „kommen und gehen lassen wie ziehende Wolken“.

Der Konfrontation bzw. der Traumaerzählung gehen Therapieschritte voraus, in denen der „Sinn“ der Symptome erklärt und das Störungsmodell (Teufelskreis von Vermeidung und Symptombildung) besprochen werden; wichtige therapeutische Schritte sind Triggeridentifizierung, übenden Umgang mit flashbacks und kognitiven Umstrukturierungen.

Die Narrative Expositionstherapie erscheint geeignet für stabile Personen, die traumatisch etwa durch Monotraumen belastet, nicht aber von komplexen Traumafolgestörungen betroffen sind.

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Prolongierte Expositionstherapie nach Foa

Die Prolongierte Expositionstherapie wurde konzipiert für PatientInnen, die das Trauma gedanklich und emotional stark abgespaltet haben oder sehr stark angstbesetzt abwehren.

In der Prolongierte Expositionstherapie werden die PatientInnen dazu angehalten, die traumatische Erfahrung mehrfach täglich zu erzählen und dabei besonders die emotionalen Erinnerungen zu forcieren, um für die innere Erlebnis- und Vorstellungswelt des/der PatientIn einen Ausdruck zu finden.

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Cognitive Processing Therapy (CPT)

Die Cognitive Processing Therapy (CPT) wurde ursprünglich für Vergewaltigungsopfer entworfen, wird seither aber auch bei weiteren Patientengruppen mit komplexeren Traumata angewandt (Flüchtlinge, Soldaten u.a.). Die Cognitive Processing Therapy wurde  von Resik, Monson & Chard (2007) entwickelt: das Trauma wird in Zusammenhang mit Überzeugungen gebracht, die schon vor dem Trauma bestanden und offen waren für die traumatische Verletzung .

In der Cognitive Processing Therapy werden sogenannte stucking points, also „Hängepunkte“ bzw. Stolpersteine fokussiert, an den TraumapatientInnen emotional wie kognitiv „stecken bleiben“. Dabei fällt auf, dass es oftmals nicht die im Trauma erlebten Gefühle der Angst, der Wut oder etwa der Trauer/des Verlustes sind, die traumatisch stark nachwirken, sondern die mit diesen Gefühlen verknüpften Interpretationen bzw. Bewertungen.

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